Lyrik

  • Fahrbares

    1.
    Eine Million Autos
    fahren durch die Stadt
    Eine Million Autos
    machen Riesenkrach

    2.
    Eine Million Autos
    fahren hin und her
    Eine Million Autos
    fahren den Tank leer

    3.
    Eine Million Autos
    fahren ohne Sinn
    Eine Million Autos
    fahren – bloß wohin?

    4.
    Eine Million Autos
    machen sich’s zum Ziel
    Eine Million Autos
    fahren schnell und viel

    5.
    Eine Million Autos
    brauchen sehr viel Platz
    Eine Million Autos
    verstopfen unsre Stadt

    6.
    Eine Million Autos
    kosten sehr viel Geld
    Eine Million Autos
    zerstören die Umwelt

    7.
    Eine Million Autos
    rollen auf Asphalt
    Eine Million Autos
    war hier nicht mal Wald?

    8.
    Eine Million Autos
    machen Männer stark
    Eine Million Autos
    mit eingebauter Vorfahrt

    9.
    Eine Million Autos
    es sitzt nur einer drin
    Eine Million Autos
    einsam in Berlin

    10.
    Eine Million Autos
    es werden immer mehr
    Eine Million Autos
    wo kommen die nur her?

    11.
    Eine Million Autos
    und das ist wirklich schlau
    Eine Million Autos
    fahren gern zum Stau

    12.
    Eine Million Autos
    fahren nicht allein
    Eine Million Menschen
    müssen echt bescheuert sein

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  • Am Zweig

    Wie sie da so an den Stielen hängen,
    Verbunden mit der Mitte, ihrem Kerne,
    Sonnengegerbte Haut zur Schau stellen,
    Versehen mit Furchen, Rissen, Dellen.

    Von Mutter Sonne verwöhnt und geküsst,
    Das macht sie so aromatisch und süß.
    Im Geschmack wahrhaftiger als Pralinen
    Und hundertmal köstlicher als Rosinen.

    Sie üben magische Anziehungskraft aus,
    Schöner anzusehen als jeder Blumenstrauß;
    Man sollte sie kunstvoll zeichnen und malen,
    Für die Ewigkeit und die Nachwelt erhalten.

    Kein Wunder, so mancher meiner Pfade
    Führt zum kleinen Lebensmittelladen,
    Der sie stets und immerzu vorrätig hat.
    Hier bin ich ein gern gesehener Gast.

    Nur an Gottes rituellen Ehrentagen,
    Wenn Kirchenglocken lauthals schlagen,
    Ist strenge Enthaltsamkeit mir beschieden
    – Montagfrüh öffnen sich die Ladentüren.

    Neben Kiwis und allerlei anderen Exoten
    Im hölzernen Körbchen feilgeboten;
    Manche von großer Form, manche klein,
    Die Allerschönsten pack ich mir ein.

    Sie sind der Liebe ein holder Ersatz,
    Gar süßer, machen glücklich und satt;
    Versehen mit Charakter, Klasse und Stil.
    Hinterlassen im Magen ein gutes Gefühl.

    Wie, ohne ihre kostbare Süße,
    Könnt ich den Alltag überhaupt genießen?
    Ich mach mir selbst die größte Freud:
    Ich verwöhn mich mit Datteln am Zweig!

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  • Getan

    Die Photos an der Wand,
    Zeugen vergangener Tage.
    Sie werden langsam alt,
    Verblasen in ihren Rahmen.

    Die Zeit kennt keine Gnade,
    Schreitet stetig voran,
    Zählt jeden meiner Tage
    – bald ist es getan.

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  • Zum Wohle aller

    Ich erschaffe mir die Welt,
    So wie sie mir gefällt;
    Zum Wohle aller Lebewesen
    Und zur Freude meiner Seele.

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  • Die schöne holde Maid

    Herz, was schlagest du so wild?
    Was treibt dich aus der Enge?
    Sag nur, was du willst.
    War ich mit dir zu strenge?

    Musst keine Angst nicht haben,
    Nun bleib an deinem Platz.
    Kannst in Ruhe weiterschlagen,
    Fehlt dir auch dein Schatz.

    Die Maid hat uns verlassen.
    Wir warn nicht gut genug.
    Sie hielt uns bloß zum Narren;
    Das ist der Liebe Fluch.

    Lass sie ihres Weges ziehen,
    Die schöne holde Maid.
    Eine andre wird sich finden,
    Die dich, mein Herz, erfreut!

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  • Abliebe

    Wirf mich weg
    Ich bin versehrt
    In den Dreck
    Ich bin’s nicht wert
    Bin einfach nur
    Total verkehrt

    Auf den Asphalt
    Mit Schwung
    Dass es knallt
    Ich bleib stumm
    Und nehm’s dir
    Auch nicht krumm

    Lass mich stehn
    ich bin häßlich
    Lass mich gehn
    Ich bin gräßlich
    und nur allzu
    leicht ersetzlich

    Ich bleib hier
    Bin Ausschuss.
    Stillte deine Gier
    Nun mach Schluss
    Tritt auf mich
    Mit dem Fuß

    Kein Blick zurück
    Ich lieg am Boden
    Ein garstig Stück,
    Schief und verbogen
    Nur für dich
    Ward ich geboren

    Ich bin alt
    Ich bin leer
    Selbst ohne Inhalt
    Viel zu schwer
    Ich bin bloß ein
    oller Kaffeebecher

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  • Die Mühlen der Arbeit

    Auf einmal macht er schnell,
    Verfällt beinah in Hektik,
    Biegt, reckt, streckt sich,
    Draußen ist’s noch hell.

    Der Tag war voller Müh,
    Die Zeit schien stillzustehen,
    Man hörte ihn laut stöhnen,
    Schon morgens in der Früh.

    Nun aber, holdes Glück,
    Der Abend bricht herein;
    Endlich darf er heim,
    Nur die Arbeit bleibt zurück.

    Die schönste Zeit am Tage,
    So weiß ein jeder Mensch,
    Der ’s Joch der Arbeit kennt,
    Ganz klar, der Feierabend!

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  • Grenzenlos

    Lass die Liebe fließen,
    Halt sie nicht zurück;
    Mag sich frei ergießen,
    Was der Welt ist Glück.

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  • O halt mich doch …

    O halt mich doch,
    Wenn Blätter fallen,
    Halt mich fern von tiefem Leid,
    Und güt’ger Gott,
    Vor allem,
    Erhör meiner Seele Schrei.

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  • Wer da?

    Klopft das Glück an dein Haus,
    schau nicht lang zum Fenster raus …
    Öffne die Tür,
    lad’s ein zu dir!

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  • Des Künstlers Leid

    Nun schreibt er ein Gedicht,
    Schneidet Zeile für Zeile
    Aus dem eignen Fleische,
    Blut und Wasser wird geschwitzt.

    Er macht die Nacht zum Tag,
    Sitzt bei einer Kerze Schein,
    Kämpft um jeden Reim
    Und findet keinen Schlaf.

    Die Uhr tickt an der Wand,
    Stunde um Stunde verblüht,
    Es ist sechs in der Früh,
    Als er endlich kommt zurand;

    Vollendet das Gereimte,
    Überfliegt nochmals sein Werk,
    Befindet ’s von geringem Wert
    – Wirft’s in den Abfalleimer.

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  • Abendrot

    Im Abendrot
    Aß er sein Abendbrot.
    Und im Morgengraun
    War er immer noch am kaun.

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  • Ode an den Sommer

    Es fläzen die Menschen im Park,
    Ein jeder hat sein Fleckchen Grün,
    Gar herrlich so ein Sonnenbad,
    Nackte Leiber sind am glühn.

    Der Himmel gemalt in edlem Blau,
    Weiß wattierte Wolken auf Urlaubsreise,
    Der Mensch macht heute Nabelschau,
    Ein Lüftchen hebt an leise;

    Biegt grüne Grashalme sacht,
    Es rauschen blattbehangene Zweige,
    Vögel jubilieren in der Bäume Pracht,
    Der Sommer spielt die erste Geige.

    Was kann es Schöneres geben,
    Als dieser Sinfonie zu lauschen?
    Wird die Menschheit auch vergehen,
    Den heut’gen Tag mag keiner tauschen.

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  • Kirschenkerne

    Ich spucke oft und gerne
    mit Getöse und Gelärme
    steinerne
    Kirschenkerne;
    treff‘ jede gusseiserne
    Laterne,
    das Veilchen, die Luzerne,
    die düstere
    Kaverne,
    die hölzerne
    Taverne
    und in der Therme
    Wärme,
    nach Entleerung der Gedärme,
    die kupferfarbene
    Zisterne.

    Jedoch spuck ich sehr ungerne
    im Stadtkerne
    auf die lederne,
    lüsterne
    Straßendirne
    mit dem Namen Erne,
    von der ich heimlich schwärme
    (und hoffentlich bald kennenlerne).

    Dafür liebend gerne
    in die grau-bleierne
    Militärkaserne,
    auf realitätsferne,
    subalterne
    Möchtegerne,
    externe
    wie interne
    Bildungsferne,
    alberne
    Kleinhirne,
    und vorne
    – in Frankfurt wie in Herne,
    in Zürich und in Berne –
    auf gläserne,
    berlinferne,
    hochmoderne
    Weltkonzerne.

    Und damit ich’s nicht verlerne,
    manches Mal in weite Ferne,
    auf schüchterne,
    alabasterne
    Vogelschwärme,
    weit entfernte
    silberne
    Sterne,
    bis hoch zu Gott, dem ehernen
    Herrne.

    Was ich daraus lerne?
    Kirschenkerne
    fliegen gut und gerne!

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  • Bunt

    Dem Menschen fehlt es nicht an Geld,
    Es ist Bewusstheit, die ihm fehlt.
    Und dieser Mangel ist nicht auszugleichen
    Mit bunt bedruckten Papierscheinen.

     

     

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  • Vor hundertausend Jahren

    Nun huscht das Leben leise
    Um die nächste Ecke,
    Es mag sich wohl verstecken,
    Vor mir dem alten Greise.

    Krieg es nicht zu fassen,
    Die Beine müd und schwer,
    Fühl mich elendig und leer
    Und muss es ziehen lassen.

    Verlebt, vertan, mir bleiben
    Erinnerung schöner Tage
    Vor hunderttausend Jahren,
    An holde Jugendzeiten.

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